Martha organisiert den ersten Runden Tisch der Bildungskampagne.

Heute haben wir Martha getroffen, die Organisatorin unseres ersten Runden Tisches Deutschkurse. Mit ihr haben wir über die Bildungskampagne und die Partizipation von Geflüchteten gesprochen und warum gerade Deutschkurse so ein wichtiges Thema ist.

Was ist eigentlich die Bildungskampagne?
Mit der Bildungskampange möchten wir ganz konkret in München die Bildungssituation von jungen Geflüchteten verbessern. Yasin, im Vorstand von Heimaten e.V. und aktives Bündnismitglied, setzt sich immer wieder dafür ein, dass für ihn und andere junge Geflüchtete wichtige Themen auf den Tisch kommen: Deutschkurse, Ausbildung, Uni und Beratung für die passende Zuteilung zu bestehenden Angeboten.

Wie sieht das konkret aus?
Herzstück der Bildungskampagne sind die Runden Tische. Wir bringen junge Geflüchtete und Entscheidungsträger aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft zusammen. Momentan gibt es noch keine wirklichen partizipativen Aktionen für junge Geflüchtete, also Veranstaltungen, in denen sie selbst aktiv mitreden und im besten Fall mitentscheiden können. In kleiner Runde werden junge Geflüchtete ihre Themen direkt an die Verantwortlichen richten und gemeinsam Lösungen erarbeiten. Diese werden wir für unsere weitere politische Arbeit verwenden und zum Beispiel ein Positionspapier verfassen. An einem Tisch sitzen vier bis fünf Geflüchtete aus verschiedenen Herkunftsländern, ein bis zwei Sozialarbeiter*innen, Münchner Arbeitgeber*innen, Verantwortliche aus der Münchner Verwaltung und Stadtratspolitiker*innen.

Beim ersten Runde Tisch wird es um Deutschkurse und Spracherwerb gehen. Warum gerade dieses Thema?
Yasin erzählte uns, dass es gerade bei Deutschkursen die meisten Probleme gibt: Erst einmal ist es schwierig, die notwendigen Informationen zu erhalten. Außerdem mussten viele seiner Freunde bis zu 1,5 Jahre auf einen Deutschkurs warten. Als sie nach langen Wartezeiten endlich an Deutschkursen teilnehmen konnten, bekamen sie meistens nur wenige Wochenstunden, oftmals nur drei. Nach Beendigung einer Kursstufe werden auch keine Zertifikate vergeben, welche für Bewerbungen wichtig wären. Beim Partizipationsabend in der Bayernkaserne im Oktober letzten Jahres wurde Ähnliches berichtet, der Wunsch nach Informationen und zeitnahen Kursen für alle ist groß. Dazu kommt noch, dass Geflüchtete je nach Herkunftsland unterschiedlich behandelt werden: Geflüchtete mit guter Bleibeperspektive bekommen schneller Sprachunterricht als Geflüchtete aus sogenannten „sicheren“ Herkunftsländern. Das Thema Deutschunterricht ist auch deshalb so wichtig, weil es Voraussetzung für alles Weitere ist: Für das Alltagsleben in Deutschland, um einkaufen oder zum Arzt gehen zu können, um einen Job zu finden oder eine Ausbildung zu beginnen.

Auf was freust du dich am meisten?
Natürlich darauf, dass beim runden Tisch fruchtbare Gespräche zustande kommen und Lösungsvorschläge für die bestehenden Probleme gefunden werden. Außerdem hoffe ich, dass wir mit unserer Kampagne Aufmerksamkeit für die Bildungssituation junger Geflüchteter schaffen. Am meisten würde es mich freuen, wenn der runde Tisch dazu beiträgt, dass junge Geflüchtete in naher Zukunft schneller und bessere Deutschkurse bekommen.