Junge Geflüchtete diskutieren am 29.06. mit Vertretern aus der Münchner Politik, Verwaltung und Wirtschaft, über die Angst vor Abschiebung, Integrationshindernisse und die Chancen durch Ausbildung. Dieser partizipative Runde Tisch wurde vom Jungen Bündnis für Geflüchtete organisiert.

„Viele Berufsschüler*innen haben die Hoffnung auf eine Zukunft in Deutschland aufgegeben, sind demotiviert und verunsichert“, fasst Arif Abdullah Haidary, Schülersprecher der Berufsfachschule für Sozialpflege und Journalist die aktuelle Situation zusammen. „Sie tauchen aus Angst vor dem nächsten Abschiebeflieger nach Afghanistan unter, anstatt in die Schule zu gehen.“

Ähnlich geht es auch Z. H. aus Pakistan. Nach nur drei Monaten Deutschkurs begann er direkt seine Ausbildung – um nicht abgeschoben zu werden. Kurz vor Weihnachten erhielt er den Ablehnungsbescheid, damit steht die Abschiebung nun doch im Raum. Er absolvierte in seinem Heimatland ein Bachelorstudium in Design und machte ein Praktikum bei Michael Gold: „Nach drei Stunden war eigentlich schon klar, dass ich ihn nehme.“

Nicht nur bei seinem Ausbilder Michael Gold sondern auch bei vielen der Anwesenden sorgt die bayerische Abschiebepraxis für Verwirrung. Mareike Ziegler von der IHK etwa meint: „Das Innenministerium hat uns zugesagt, dass während der Ausbildung nicht abgeschoben wird.“ Allgemein wird angenommen, dass auf Grund der 3+2 Regelung nicht während der Ausbildung abgeschoben werden darf. So einfach ist es jedoch nicht. „Ich habe alle Erlasse dazu gelesen, mich mit IHK

 

und HWK ausgetauscht. Für mich bleibt die 3+2 Regel unklar und nicht verlässlich. Die Umsetzung in Bayern widerspricht klar dem Grundgedanken des Gesetzes.“, sagt Simone Burger, SPD-Stadträtin.

In der Diskussion zeigt sich, dass nicht nur für Geflüchtete die Unsicherheit quälend ist. Auch die Ausbilder leiden darunter. „Unternehmer möchten Geflüchtete ausbilden, doch die drohende Abschiebung ist auch ein finanzielles Risiko“, beklagt der Obermeister der Uhrmacherinnung, Oliver Belik. Doch nicht nur die Auslegung der 3+2 Regel ist unklar, sondern auch Beratungs– und Ausbildungsmöglichkeiten werden nicht transparent an Geflüchtete vermittelt. Laut Maria Prem vom Amt für Wohnen und Migration „herrscht nach wie vor ein Informationsdefizit“. Als Lösung schlägt Oliver Belik eine „One-Stop-Agency“ als zentrale Anlaufstelle und Interessensvertretung vor. „Die Interessen der Geflüchtete sollten von den Geflüchteten vertreten werden“, meint Manuela Baumgart, Referat für Bildung und Sport. Mit vielen Anregungen und Denkanstößen gehen die Teilnehmer*innen des Runden Tischs nach Hause. „Ich sitze in vielen Gremien zu dem Thema, habe es bisher aber selten erlebt, dass Geflüchtete selbst zu Wort kommen. Das fand ich heute sehr positiv“, so Mareike Ziegler von der IHK.