München, den 28.10.2016 – Jungen Geflüchteten eine Stimme zu geben und über Ausbildungsmöglichkeiten und Freizeitangebote zu informieren: Das war das Ziel des Informations- und Partizipationsabends in der „LOK Arrival“ – Freizeitstätte für geflüchtete Kinder und Jugendliche (Kreisjugendring München Stadt). Gemeinsam mit dem Jungen Bündnis für Geflüchtete (JBfG) und dem Netzwerk Münchner Migrantenorganisationen (MORGEN) wurden am 26. Oktober Geflüchtete zwischen 15 und 25 Jahren aus allen Münchner Sammelunterkünften in die Räume der LOK Arrival eingeladen. Ca. 200 Menschen unter anderem aus Syrien, Afghanistan, Nigeria, Kamerun und Pakistan nahmen an der Veranstaltung teil. Unter dem Motto „Und was sagst du?“ gaben die Geflüchteten ihre Meinung zu Unterbringungen, Bildungsmöglichkeiten, Freizeit, Willkommensgefühl und Wissen über Asylrecht kund und konnten sich gleichzeitig bei eingeladenen Organisationen informieren.

Die Türen zur Halle wurden um 18:30 Uhr für alle Besucherinnen und Besucher geöffnet, die sogleich wissbegierig hereinströmten. Den großen Ansturm hatten die ehrenamtlichen Helfer am Eingang zum Glück schnell unter Kontrolle, denn zu Beginn musste jedem Einzelnen der Ablauf und das Konzept des Abends erklärt werden. Um die sprachlichen Barrieren zu umschiffen, wurde der Abend von einem vierköpfigen Dolmetscher-Team unterstützt, die alle Informationen fleißig auf Arabisch, Dari, Farsi, Tigrinja und Somali übersetzten. Das System war allerdings schnell erklärt: mit den roten (schlecht), gelben (gut) und grünen (sehr gut) Punkten wurden die Fragen beantwortet und wenn jedes Themengebiet besucht wurde, gab es für alle Teilnehmenden ein leckeres veganes Curry mit Reis, das extra von der VolxKüche München e. V. zubereitet wurde. Zusätzlich konnten die individuellen inhaltlichen Fragen an den Informationsständen zur Diskussion gebracht werden.

Die Moderation des Abends übernahm die pädagogische Mitarbeiterin  der LOK Arrival Mira Walter und führte die Besucherinnen und Besucher, die Helfer und die Mitarbeiter an den Informationsständen durch den Abend. Nach zwei Stunden angeregtem Austausch und köstlichem Essen wurden die Ergebnisse der Fragen ausgewertet und kurz vorgestellt.

In der Umfrage zeigt sich deutlich, dass die großen zentralen Unterbringungen die alltägliche Interaktion mit Münchnerinnen und Münchnern verhindern und somit auch der langfristigen Integration schaden. Nur 16 der Anwesenden beantworteten die Frage, ob sie bereits Kontakt mit Münchnerinnen und Münchnern außerhalb der Unterkünfte hatten, mit einem klaren Ja. Zudem zeigte die Umfrage, dass die jungen Geflüchteten nicht mit Informationen über Ausbildungsmöglichkeiten, das Asylrecht und auch Freizeitangeboten versorgt sind.

„Mich hat am meisten schockiert, dass die jungen Geflüchteten angegeben haben, kaum Informationen über das Schulsystem und ihre Bildungsmöglichkeiten zu haben.“, so Anna Dannecker, Sprecherin des Jungen Bündnis für Geflüchtete. „Bildung ist der Schlüssel zur Integration. Hier müssen dringend bessere Wege gefunden werden, um die Jugendlichen zu erreichen und sie über ihre Ausbildungsmöglichkeiten zu informieren.“

Die Ergebnisse der Umfrage präsentierte Yasim Rahmati von der Heimaten Jugend e.V. gemeinsam mit Anna Dannecker allen Anwesenden auf Deutsch, Englisch und Dari. In der Umfrage gaben die meisten an, zufrieden mit ihrer Unterkunft zu sein, bemängelt wurde jedoch die fehlende Privatsphäre und Ruhe, der schlechte Zugang zum Internet und vor allem die fehlende Möglichkeit im Haus zu kochen. Die jungen Geflüchteten gaben außerdem an, sich in Deutschland willkommen zu fühlen, allerdings gab nur eine kleine Minderheit an, ihre Rechte und Pflichten in Deutschland zu kennen. Nur 15 der Anwesenden gaben an, einen Anlaufpunkt zu kennen, der ihnen bei Fragen rund um das Asyl- und Bleiberecht weiterhilft.

Unterstützt wurde der Abend von zahlreichen Kooperationspartner, die sich bereit erklärt haben, den Besucherinnen und Besuchern beratend zur Seite zu stehen. „Hierfür möchten wir uns bei den jungen Geflüchteten und Organisationen sehr herzlich bedanken, mit diesen riesen Ansturm und dem hohen Interesse hätten wir nicht gerechnet“ sagt Jennifer Sykora (Leiterin LOK Arrival).

Für dieses Netzwerk haben sich zahlreiche Münchner Organisationen, Vereine und Bildungseinrichtungen gefunden, die ihre Informationen teilen wollen und den Besuchern beratend zur Seite zu stehen werden: Lighthouse Welcome Center, Innere Mission, buntkicktgut, InVia, Flüchtlingshilfe München e.V., Refugee Scholars Forum (LMU), TUM, Hochschule München, IBZ München, Münchner Bildungswerk, Marikas, RefuDocs, Psychotherapeutische Sprechstunde, Max-Planck-Institut für Psychiatrie u.v.m.  Auch die politischen Jugendorganisationen nutzten den Abend zum Gespräch mit Geflüchteten und erklärten die Zuständigkeiten und politischen Entscheidungsprozesse in der Flüchtlingspolitik.

Der Partizipations- und Informationsabend wurde gemeinsam vom LOK Arrival, MORGEN e.V. und dem Jungen Bündnis für Geflüchtete organisiert.